Let's Start with ABC

Bildung ist ein Grundrecht jeden Kindes - weltweit-

Sehr viele Kinder auf den Philippinen erhalten nicht die Möglichkeit eine Schule zu besuchen, stattdessen arbeiten sie mit ihren Eltern, Großeltern usw. auf den Reisfeldern oder fahren mit aufs gefährliche Meer hinaus um Fische zu fangen. Reis und Fisch ist das Grundnahrungsmittel auf den Philippinen. Die oft kinderreichen Familien schicken nur das "vermeintlich" klügste Kind in die Schule um so das Schulgeld, die Kosten für Schulkleidung und Unterrichtsmaterialien zu sparen, obwohl es auch dort die Schulpflicht gibt. Nur keiner kontrolliert es.

 

Kinder haben Rechte, sorgen wir dafür das die Kinder sie auch bekommen.



Rheema drückt die Fingerspitzen ihrer Hände fest aufeinander, tritt in schöner Regelmäßigkeit von einem Bein aufs andere, so, wie sich alle Kinder dieser Welt ähnlich verhalten, wenn sie nämlich eines sind: Ganz schrecklich aufgeregt. 

Endlich ist es soweit, der Vorhang der Bühne auf dem kleinen Schulhof der Elementary School in Zamboanga Manicahan District wird  aufgezogen und unter lauten „Aaahs“ und „Ooohs“ entdecken die mittlerweile 27 Patenkinder ihre „Schätze“ für das kommende Schuljahr. 

Initiator dieser Aktion ist der Bochumer und Wahl-Franke Norbert Hölter, der vor fast genau 13 Jahren die Organisation „Let’s Start with ABC“ gründete. Einmal jährlich, jeweils zum Beginn des neuen Jahres, versorgen die Vertrauenslehrer der 6-stufigen Grundschule die Ärmsten der Armen mit dem Nötigsten, bezahlt aus den Spendengeldern der deutschen Paten und Sponsoren. 

Die 9jährige Rheema ist eine von ihnen, sie freut sich besonders über ein Paar Flip-Flops: Nicht mehr barfuß in die Schule kommen, nicht mehr 5 Kilometer täglich hin und zurück mit bloßen Füßen laufen müssen. Wie wundervoll, endlich ein Paar Schuhe zu besitzen, wie großartig, nicht immer auf den Boden schauen zu müssen, um Steine oder Scherben zu umgehen, die die ohnehin rissige Haut verletzen könnten. „Kinder“, so die Vorstellung der Schülerin, „die Schuhe tragen, können nicht arm sein.“ Somit ist diese für unsere Verhältnisse kleine Gabe auch ein großer Beitrag für das Selbstwertgefühl der Schülerin. 

Ich hatte Gelegenheit, mit Norbert Hölter über die diesjährige Übergabezeremonie zu sprechen.

„Norbert, die ganze Aktion ist mit einem ziemlichen Aufwand verbunden, wer kümmert sich eigentlich vor Ort darum?“

„ Ich habe das Glück, dass meine ehemalige Lebensgefährtin mittlerweile wieder dort lebt und aufgrund verwandtschaftlicher und freundschaftlicher Beziehungen bereits vor vielen Jahren den Kontakt zur Schule und den Lehrkräften herstellen konnte. Auch war ich selber mehrere Male vor Ort…“

„… das hört sich gerade so an, als läge Zamboanga mal eben so um die Ecke …?“

„Von wegen. Deutschland und die Philippinen trennen ziemlich genau 10.000 Kilometer. Dann sind wir zunächst in Manila. Von dort geht’s mit dem Flieger weiter in die sechstgrößte Stadt des Inselstaates, nach Zamboanga City und weiter mit dem Auto auf abenteuerlichen Pisten bis Bolong Beach, wo ursprünglich die Wiege der Organisation stand.An einem Tag ist die Reise nicht zu schaffen.“

„ und als du zum ersten Mal dort warst hast du spontan beschlossen, den Kindern zu helfen, Ihnen eine Chance zum Lernen zu geben, so, wie jetzt zum zwölften Mal und im dreizehnten Jahr des Bestehens der Organisation  geschehen?“ 

„Ja. Kinder, deren Eltern so arm sind, dass sie ihrem Nachwuchs noch nicht einmal Papier und Stifte kaufen können, müssen das Gelernte im Kopf behalten, ein Ding der Unmöglichkeit, sie sind von Anfang an chancenlos, ein Jammer ist das.“

„Du bietest über deine Organisation „Let’s Start with ABC“ Kinderpatenschaften für lediglich 60 Euro jährlich an. Das sind gerade einmal 5 Euro pro Monat. Ist denn damit wirksame Hilfe überhaupt möglich?“

“Du wirst es nicht für möglich halten, aber die Antwort lautet ‚ ja ‘. Bitte bedenke, dass das durchschnittliche Einkommen der Filipinos gerade einmal 2 Dollar pro Tag betrifft, das Land ist unglaublich arm, viele Familien auf den Philippinen verfügen noch nicht einmal über dieses  Minimaleinkommen, so gehen die Männer in völlig desolaten Booten auf Fischfang, die Frauen versorgen Haushalt und Kinder in einfachen Hütten aus Holz und Bambus , den Launen des unberechenbaren Ozeans schutzlos ausgesetzt.“

„Wer entscheidet denn, was für die Kinder angeschafft wird?“

„Das entscheiden die Vertrauenslehrer vor Ort. Ich kann hier in Unterfranken unmöglich wissen, was dringend in Zamboanga benötigt wird. Nun gut, Papier und Schreibgeräte sind obligatorisch, dazu  die Flip-Flops, weiterhin Nahrungsergänzungsmittel, Reis, einfache Rucksäcke. In diesem Jahr konnten wir den Kindern ein sehr spezielles T-Shirt als Schuluniform-Ersatzkleidung liefern, schau mal, nicht nur die Kinder sind voll begeistert.“

 

„Cool. Das zeigt eindrucksvoll die Verbundenheit zwischen Deutschland und den Philippinen sowie  zwischen Paten und Kindern und insbesondere zu dir, denn du wirst, wie du so schön gesagt hast, „vor Ort“ aufgrund deiner jahrelangen Initiative sehr verehrt und letztlich auch von offizieller Stelle geehrt. Nun, dann ist ja soweit einiges erreicht, aber ich sehe, du runzelst die Stirn…“

„Es ist einiges erreicht und darauf können wir alle stolz sein, dafür danke ich allen Paten und Gönnern und meinem Hauptsponsoren Dr. Stefan Neukirchen, aus meiner alten Heimatstadt Bochum ich danke den Schirmherrinnen Ursula Karven und Katharina Lehnert und natürlich den Vertrauenslehrern in Zamboanga, allerdings gibt es auch einige Nachrichten, die mich betrüben …“

„Stimmt, das merkt man dir an …“

„ wir sind in der Lage, 27 Kinder mit dem Nötigsten zu versorgen, aber bitte bedenke auch, dass die Warteliste der hilfsbedürftigen Kinder auf eine Patenschaft aus Deutschland enorm groß ist. Diese Liste umfasst weit mehr als über 100 Namen, also über 100 Kinder, die nicht in den Genuss dieser Vergünstigungen kommen, das macht mich natürlich ein wenig traurig und so hoffe ich darauf, dass sich weitere Paten finden lassen.“

„Vielleicht, lieber Norbert, trägt dieses Gespräch zwischen uns ja schon ein wenig dazu bei?“

„Wäre schön. Es ist klar: Wir können nicht allen helfen. Aber jede weitere Patenschaft macht ein Kind glücklich. Und genau das macht auch mich und alle Beteiligten glücklich.“

Das Gespräch führte Norbert Hölter mit Wolfgang Max Kracht